MS „NORDFRIESLAND“ – 1995

Sie ist die letzte und ausgereifteste Fähre der sich seit Anfang der 1970er Jahren etablierten Fährschiffsgeneration. Äußerlich von ihrer drei Jahre älteren Schwester nur durch die andere Rumpfform zu unterscheiden war die „Nordfriesland“ eigentlich gar nicht geplant gewesen. Ihr Bau wurde seinerzeit entschieden, um den Standort der damaligen Husumer Schiffswerft zu sichern, der durch die in den 1990er Jahren verschärften Werftsituation gefährdet war. Der Schiffsbau wanderte zunehmend in die fernöstlichen Länder ab, die preisgünstiger produzieren konnten und speziell kleine deutsche Werften wie die Husumer Schiffswerft mussten die Insolvenz fürchten. Die WDR war sozusagen der Retter in der Not gewesen und konnte durch die Auftragsvergabe zum Bau der „Nordfriesland“ den Standort, wenn auch leider nur vorübergehend, retten.

Der Bau der „Nordfriesland“ hatte anschließend für den Auftraggeber nicht unerhebliche finanzielle Konsequenzen: Eine Neubauplanung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgesehen und somit hatte das neue Schiff ein großes Loch in die Kasse der Reederei gerissen…die Fahrgastzahlen waren zudem seit 1993 rückläufig. Das sogenannte Allzeithoch der Beförderungszahlen von 1991 und 1992, weswegen die Flotte damals um die „Rungholt“ erweitert worden war, verstärkte den Effekt.

Nachdem einige unruhige Jahre ins Lang gegangen waren erholte sich die Reederei allerdings enorm von den Nachwehen der Anschaffung der „Nordfriesland“. Das Schiff bot den Fahrgästen, durch den Fortschritt im Automobilbau und den damit verbundenen in die Länge und Breite wachsenden Fahrzeugen, den erforderlichen Komfort beim Ein- und Aussteigen, den ihr Vorgängerschiff drei Jahre zuvor eingeleitet hatte.

Das Schiff hat durch ihrer spitze Rumpfform und die Am Heck weit auseinanderstehenden Propellern perfekte Manövriereigenschaften und einen geringeren Wasserwiderstand, was eine Geschwindigkeit von 12,2 Knoten gewährleistet.

Die „Nordfriesland“ hat Geschichte geschrieben: Sie ist das erste Schiff, das unangefochten 15 Jahre lang das Flaggschiff der Reederei war. Zum 125jährigen Jubiläum musste sie diesen Status an die neue Doppelendfähre „Uthlande“ abgeben. Für einige, unter anderem für den Erbauer des nachfolgenden Modells, ist und bleibt sie nach wie vor das heimliche Flaggschiff der Flotte.

Nordfriesland

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